Green Hosting, aber richtig!

Tobias Daur am 17. Februar 2011

Hosting betreiben wir seit Jahren selber. Wir hatten bei unseren Webprojekten einfach zu viel Zeit damit verbraucht, in Warteschleifen von Massenhostern herumzuhängen, uns mit ungeeigneten Konfigurationen auf Fremdservern zu beschäftigen oder dem gemütlichen Seitenaufbau einer Site auf einem schwachbrüstigen Servers mit verstopfter Netzanbindung zuzuschauen.

Unser Lieblings-CMS TYPO3 ist auch nicht gerade anspruchslos, was seine Umgebung angeht. Aber auch bei kleinen Sites macht sich ein flinkes System für den Betrachter angenehm bemerkbar.

Von Kreuzfahrtschiffen und Ruderbooten

Einen Wunsch konnten wir unseren Kunden bislang nicht erfüllen: Echten Ökostrom in dem von uns genutzten Rechenzentrum. Und da nützt es auch nichts, wenn die verwendete Technik stromsparend ausgelegt und der Strom-Verbrauch bezogen auf  die einzelne Website zu vernachlässigen ist: Atomstrom bleibt Atomstrom.

Ein konventionelles Rechenzentrum zum Wechsel des Stromanbietes zu bewegen, ist allerdings so, als würde man mit einem Ruderboot ein Kreuzfahrtschiff ziehen wollen. Das Schiff bewegt sich nämlich keinen Millimeter. Die Zahl der betriebenen Server und Kühlanlagen in einem größeren Rechenzentren ist hoch, die benötigte Strommenge gigantisch, und wir sind nur einer unter vielen.

Andererseits ist der Stromverbrauch das entscheidende ökologische Problem des Internets. 2008 betrug der von Rechenzentren verbrauchte Strom in Deutschland 10,1 TWh, das entspricht der Leistung von vier mittelgroßen Kohlekraftwerken (Quelle: bitkom/Borderstep Institut PDF).

Green Hosting bedeutet neben dem Einsatz stromsparender Techniken also vor allem: Ökostrom.

Problematisch: RECS-Zertifikate

Und dann haben wir uns verwundert die Augen gerieben: Bekannte Discounter warben auf einmal mit klimaneutralem Hosting, mit Ökostrom. Wie konnte das sein? Beim genaueren Hinsehen wurde aber schnell sichtbar, was dahinter steckt. Oft stammt der  Strom dieser Rechenzentren nämlich von  konventionellen Stromerzeugern, die sogenannten Ökostrom auf Basis von RECS-Zertifikaten anbieten.

Hier wird in der Regel ein Zertifikat von Strom auf Basis von ohnehin existierenden Wasserkraftwerken preiswert gekauft um den eigenen Atom- oder Kohlestrom ökologisch zu verbrämen. Eine Neubauverpflichtung regnerativer Anlagen, die den Strommarkt positiv verändern würde, ist damit nicht verbunden. Wenn dann noch die ENBW-Tochter Naturenergie AG dahinter steht, wandern die Einnahmen hintenrum doch in die Taschen der Atomkraftwerksbetreiber – willkommen greenwashing!

Wie erkenne ich denn richtigen Ökostrom?

Für uns kam so eine Lösung nicht in Frage – wir wollten richtigen Ökostrom. Es gibt nur wenige Anbieter, die einen festgelegten Anteil ihrer Ökostromeinnahmen in neue regenerative Anlagen investieren, und außerdem keinem Konzern der Atomindustrie gehören. Eine Hilfe ist die Liste des Grüner Strom Label (GSL).

In der Regel werden neben einigen regionalen Stadtwerken vier Unternehmen genannt:

  • Greenpeace Energy
  • EWS Elektrizitätswerke Schönau
  • Naturstrom
  • Lichtblick

Unser Hosting: ab sofort in Grün

Wenn man mit diesen Kriterien auf die Suche nach einem Platz für die eigenen Server geht, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Wir haben in Deutschland genau drei Rechenzentren gefunden, die unseren bisherigen Standards entsprechen und darüber hinaus mit Ökostrom nach diesen Kriterien betrieben werden. In eines davon, mit Strom von Greenpeace Energy, ziehen wir nun die von uns betreuten Websites um.

Falls also jemand Webspace auf einem flotten Server mit echtem Ökostrom braucht: Den Wunsch erfüllen wir gerne.

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